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ORS besucht das Amtsgericht in Gütersloh

Am Freitag, den 13.05.2016 besuchte der Sozialwissenschaftskurs der Osterrath-Realschule mit ihren Lehrerinnen Julia Weyrowitz und Silvia Dömer das Amtsgericht in Gütersloh. Nachdem sich die Zehntklässler in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Thema „Recht und Gesetz“ auseinandergesetzt hatten, bekamen sie nun die Möglichkeit ihr Wissen in der Praxis zu überprüfen. Nach der Eingangskontrolle, in der die Taschen der Schülerinnen und Schüler durchleuchtet wurden, durften sie im großen Sitzungssaal vier Strafrechtsverhandlungen beobachten und dem Richter am Ende des Vormittages Fragen stellen.

Schon die erste Verhandlung war sehr spannend, da der Angeklagte gleich zu zwei Vergehen intensiv gehört wurde. Der Richter und die Staatsanwältin ließen sich die zwei Betrugsfälle, in denen es um einen nichtbezahlten PKW und eine unbezahlte Chauffeurdienstleitung ging, genau schildern, harkten immer wieder nach und verzichteten anschließend auf eine Befragung des Zeugen, da der Beschuldigte geständig war. Bevor die Staatsanwältin ihr Abschlussplädoyer halten konnte, gab es noch eine kurze Unterbrechung, da ein am Paderborner Amtsgericht bereits gefälltes Urteil gegen den Angeklagten nicht in aktueller Form vorlag. In dieser Pause machten die Jugendlichen ihrem Erstaunen über den Angeklagten und seine Rechtfertigungen leise Luft und eine Schülerin meinte erstaunt: „Das ist doch wohl nur gespielt!?“ Doch schnell wurde ihnen beim Urteilsspruch deutlich, dass sie sich nicht bei Alexander Hold, sondern in der Realität befanden, denn der Mann wurde zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Im nächsten Fall waren sowohl Zeugen als auch Übersetzer anwesend, leider aber nicht die Beschuldigte. Nach erneuter Überprüfung der Sachlage stellte der Richter kopfschüttelnd fest, dass sich die angeklagte Asylbewerberin gar nicht zu der ihr vorgeworfenen Tat äußern konnte, da sie bereits abgeschoben worden war. Er erläuterte den Schülern kurz die weitere Vorgehensweise und es war ihm anzumerken, dass er wenig Hoffnung hatte, das Geständnis und die verhängte Geldstrafe von der Asylbewerberin zu erhalten.

Der folgende Beschuldigte hatte einen Verteidiger an seiner Seite, der für eine Verringerung der Geldstrafe und eine kürzere Führerscheinsperre seines Mandanten plädierte. Dieser war alkoholisiert gefahren, jedoch sehr geständig und das erste Mal im Straßenverkehr auffällig geworden. Der Richter ging auf die Einwände des Verteidigers ein und verhängte nach Absprache mit der Staatsanwältin eine Geldstrafe und ein neunmonatiges Fahrverbot mit anschließender MPU.Nachdem auch zur nächsten Hauptverhandlung lediglich die Zeugen und die Dolmetscherin anwesend waren, nicht aber der Beschuldigte, erließ der Richter einen Haftbefehl gegen den Mann und beendete den Sitzungsvormittag. Nun hatte der Kurs viele Fragen, die der Richter geduldig beantwortete. So erklärte er, welche Folgen ein Nichterscheinen bei Gericht haben kann, wie wichtig die Auszüge aus dem Strafregister eines Menschen für die Urteilsfindung sind und die Schüler bekamen auch noch ausführliche Informationen zu der Dauer eines Jurastudiums, dem Berufsfeld des Protokollführers und dass eine Staatsanwältin in der Ausbildung noch nicht alles alleine entscheiden darf, sondern auch mal ihren Chef anrufen muss. Den Richter hingegen interessierte die Meinung des Kurses zum ersten Angeklagten. Ob sie ihn auch zu einer Bewährungsstrafe verurteilt hätten, fragte er. Fast alle bejahten dies und erklärtem dem Richter, dass sich der Mann ihrer Meinung nach zu wenig mit seinen Finanzen und den Folgen seines Handelns auseinandergesetzt habe. Hier zeigte sich eine gute Verknüpfung an die im ersten Jahr im Unterricht absolvierte Schuldenprävention. Den Schülern war klar, dass der Verurteilte neben seiner Spielsucht noch viele andere Hürden meistern muss, um in seinem Leben wieder Fuß zu fassen. Der gesamte strenge Ablauf  eines Verfahrens, die anders klingende Sprache und das spannende und sehr förmliche Verkünden der Urteile hinterließ viele Eindrücke und Gesprächsstoff als die Schülerinnen und Schüler nach drei Stunden erschöpft den Gerichtssaal verließen.