Die laut Qualitätsanalyse der Bezirksregierung Detmold „beste Realschule in Ostwestfalen“ besuchte jetzt Landtagspräsidentin Carina Gödecke in Rheda-Wiedenbrück. In der Aula wartete bereits eine Runde aller Klassensprecher/innen, um mit ihr zu sprechen. Der Plan: Anschließend sollten sie ihren Klassen berichten, damit alle Altersstufen Informationen von dem Besuch der  Präsidentin bekämen. Neben dem Hinweis auf die Qualitätsanalyse durch den Schulpflegschaftsvorsitzenden Ralf Harz hob der stellvertretende Bürgermeister der Stadt, Norbert Flaskamp, die Osterrath-Realschule als Aushängeschild der Stadt hervor.

"Das Handy von Angela Merkel wird abgehört, wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie abgehört würden?", lautete die erste Frage an die Präsidentin. "Ich gehe mal davon aus, dass ich gefährdet bin - denn mein Handy ist nicht gesichert", antwortete sie. "Wir sollten das als Warnung sehen, vorsichtiger zu sein und nicht alles im Internet preiszugeben."

"Duzen Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen?", wollten die Schüler/innen wissen. "Innerhalb der SPD duzen sich immer alle. Wenn du morgen in die SPD eintrittst, kannst du übermorgen Hannelore Kraft duzen. Ich duze wenige bei der CDU, noch weniger bei FDP und Piraten."
"Steht die Koalition bis Weihnachten?", war die nächste Frage. Antwort: "Das ist nicht sicher. Die SPD fragt die Mitglieder, das ist eine historische Situation!"

Die Katastrophe auf den Philippinen beschäftigte die Jugendlichen ebenfalls. "Haben Sie sich schon überlegt, wie Sie helfen können?"  "Ja, ich habe schon gespendet", sagte Carina Gödecke. "Ich finde es gut, dass deutsche Hilfsorganisationen wie THW und DRK dorthin fliegen."

"Würden Sie heute noch gerne zur Schule gehen?", war eine ungewöhnliche Frage. "Ich bin unheimlich gerne zur Schule gegangen. Das war ein reines Mädchengymnasium. In der Mittelstufe war es mal schwierig - und ganz am Anfang. Nach den ersten drei Wochen hat eine Englischlehrerin damals empfohlen, ich solle die Schule verlassen. Aber in der Oberstufe bin ich richtig gut geworden."

Alle Fragen wurden mit großer Geduld beantwortet, bis Schulleiter Detlef Flasche bemerkte: "Die Schüler sind jetzt platt!" Zum Dank wurden der Präsidentin schuleigene Schokolade und Kaffeetassenuntersetzer mit ORS-Logo überreicht.

"Berufswahl- und Ausbildungsfreundlich" sei die Schule, erfuhr die Präsidentin anschließend bei einer Tasse Kaffee mit Elternvertretern, dem stellvertretenden Bürgermeister Norbert Flaskamp, Edith Mathmann (Kreispflegschaftsvorsitzende) sowie Anna Oskamp von der Partnerfirma der Schule. "Zu einer Schule gehören auch Eltern", hob der Schulpflegschaftsvorsitzende und Moderator des Elterngespräches, Ralf Harz hervor, " wir möchten Frau Gödecke gerne einige Anregungen mit nach Düsseldorf geben." Bei Anhörungen im Landtag könne man den Eindruck gewinnen, dass Eltern zu wenig gehört werden.

Erstes Thema der Eltern war Inklusion. "Ich bin nicht gegen Inklusion, ich bin nicht für Inklusion - Menschen mit Behinderungen sollten einfach selbstverständlich sein in unserer Gesellschaft", sagte Kathi Jördel, Mutter von drei Kindern (zwei davon mit Behinderung). "Aber ich denke, die Lehrer schaffen es so schon nicht, die wechselnden Aufgaben zu schultern. Wie sollen sie es denn dann mit Inklusion schaffen? Offensichtlich sind die Inklusionspläne noch nicht ausgereift. Inklusion kann nicht nur an Geld, sondern auch an der Überlastung aller Beteiligten scheitern. Auch das Recht der Eltern mit Kindern ohne Förderbedarf sollte berücksichtigt werden!"
Lehrerin Sylvia Dömer stellte anschließend die Bemühungen der Schule vor, den Übergang zum Beruf zu erleichtern. Diese reichen von Klasse sechs (einen Tag lang die Eltern oder - falls arbeitslos - Verwandte zum Arbeitsplatz begleiten), über Betriebsbesuche in Klasse acht bis hin zu AGs (wie die Schülerfirma oder die Homepage-AG).  Ein Berufsorientierungs-Büro hilft Praktikumsplätze zu finden und Bewerbungen zu schreiben.
Güla Tonga äußerte den Wunsch, dass Mobbing-Prävention in den Lehrplan aufgenommen werde.

Letztes Thema vor der Abfahrt waren Mittelkürzungen. "Langzeitkranke Kollegen werden nicht ersetzt", erläuterte der Schulleiter. "Ich habe dann die Wahl: mache ich den berechtigten Förderunterricht für einige Schüler oder den nötigen Unterricht für alle? Wir warten darauf, dass wir das, was wir machen sollen, auch können. Aber jetzt höre ich, dass die Mittel für Vertretungsunterricht noch gekürzt werden sollen. Dabei sind sie im Regierungsbezirk Detmold schon im März ausgegeben für das ganze Jahr."

Ein ganzes Bündel von Anliegen wurde also an Carina Gödecke herangetragen und ein Brief überreicht. Die Landtagspräsidentin versprach, ihn an den zuständigen Ausschuss weiterzugeben.

Quelle: Landtag

Zur Begrüßung gab es erst einmal ein Ständchen.

Den Fragen der Klassensprecher und des Sowi – Kursus stellte sich die Landtagspräsidentin.

Detlef Flaschel, Norbert Flaskamp, Alian, Carina Gödecke, Nele, Edith Mathmann und Ralf Harz (von links nach rechts).