Techniker Krankenkasse finanziert breit angelegtes Projekt an der ORS

Elternabend in der Aula regt zum Nachdenken an

Wiedenbrück (Pla). Rund 90 Eltern der Fünf- und Sechsklässler der Osterrath-Realschule folgten einer Einladung zu der Veranstaltung „Zivilcourage fällt nicht vom Himmel“. Dieser Elternabend war ein weiterer Baustein im Rahmen eines umfassenderen Projektes für die Unterstufe, das zurzeit die Osterrath-Realschule in Kooperation mit der Kommunikationstrainerin und Konfliktberaterin Sibylle Rosenberger durchführt. Dass auch die Eltern mit in das Schulprojekt einbezogen werden hat einen guten Grund: Dänische Forscher haben in Studien herausgefunden, dass Projekte mit Schüler-, Lehrer- und Elternbeteiligung am besten geeignet sind, um Gewalt an Schulen zu vermeiden.

Nachdem das Projekt im März mit einer Fortbildung für die Klassenleitungen des 5. und 6. Jahrganges gestartet war, folgten Trainingstage für 45 Schüler der älteren Jahrgänge, die sich als Streitschlichter, Busbegleiter, Medienscouts und Klassenpaten engagieren und so wichtigen Einfluss auf die jüngeren Schüler haben. Gestern nun waren die Eltern an der Reihe, sich mit dem Thema vertraut zu machen. Sibylle Rosenberger stellte dazu mit kurzen Theaterimpulsen Täter- und Opfersituationen so lebhaft dar, dass diese bei den Eltern große Betroffenheit hervorriefen. Es wurde deutlich, dass Menschen individuell auf Konfliktsituationen reagieren. Entweder fliehen sie, sie erstarren oder setzen sich durch Angriff zur Wehr. Wie eine solche Entscheidung Betroffener ausfällt, hängt auch vom Umfeld ab, in dem ein Mensch sich entwickelt hat. Doch zivilcouragiertes Eingreifen lässt sich lernen. Es bedeutet auf keinen Fall, sich selbst in Gefahr zu bringen, betont die Konfliktberaterin, sondern zum Beispiel andere Passanten um Unterstützung zu bitten. In einer 10-Punkte-Liste wurden weitere konkrete Handlungsvorschläge zum Verhalten in solch brenzligen Situationen genannt.

Übertragen auf das Schulleben nannte Rosenberger das Ziel, dass Kinder sich in ihrer Schule wohlfühlen und erkennen sollen, wenn jemand Hilfe braucht. Nicht wegsehen, sondern sich aus Verantwortung und Fairness heraus einmischen und die Courage haben, die hilfebedürftige Person zu schützen und zu stützen. Die Lehrerinnen Renate Langner und Susanne Plaß, die in der Gewaltprävention der ORS aktiv sind und dieses Projekt organisieren, sehen auch eine gesellschaftliche Bedeutung: „Wir möchten, dass sich an unserer Schule junge Menschen zu zivilcouragierten Erwachsenen entwickeln, die ihre Meinung offen und ehrlich vertreten und anderen, die Hilfe brauchen, zur Seite stehen. Solch eine Handlungsweise kann schlimme Ereignisse verhindern und die Gesellschaft positiv verändern.“ Der Zivilcouragekanon, der eigens vom Liedermacher Hans-Martin Prolingheuer entwickelt wurde, fasst Inhalt und Ziel des Projektes in vier Sätzen zusammen: Ich merke hier stimmt etwas nicht! Jemand braucht meine Hilfe. Klar, dass ich da was mache! Voll mutig, aber auch achtsam! Stimmung kam in der Aula auf, als dieser Kanon von den Anwesenden gemeinsam eingeübt wurde. „Mit allen Beteiligten von Schule das Thema Zivilcourage nachhaltig zu installieren, ist genau die richtige Richtung“, unterstrich Schulleiter Detlef Flaschel zum Abschluss des Abends.

Der nächste Baustein folgt im Mai, wenn jede Klasse der Unterstufe in einem interaktiven Theaterstück realistisch und altersgerecht vor Augen geführt bekommt, wie wichtig es ist, Mitschülern in einer Notsituation beizustehen.