Willkommen in ANDORRA

Außenseitertum und Diskriminierung sind Themen, die Menschen seit jeher beschäftigen. Es beginnt in der Klasse: Ist ein Mitschüler Jude/Muslim/Türke/Kroate/Farbiger/Kind von Arbeitslosen usw. Frisch hat beispielhaft die Fragwürdigkeit eines solchen Denkens auf die Bühne gestellt. Gerade weil „Andri", ein junger Bursche, zum Außenseiter wird, gerade deshalb ist sein Schicksal für Schüler besonders nachvollziehbar und verständlich. Frisch hat auf einfache, leicht verständliche Weise, in heutiger Sprache ein Grundthema der heutigen Zeit auf die Bühne gebracht: Ausgrenzung und Rassismus innerhalb einer scheinbar liberalen Gesellschaft.

Der Inhalt:

Andri, unehelicher Sohn des Lehrers Can und der „schwarzen" Seriora aus dem feindlichen Nachbarland Andorras, wird von seinem Vater als Judenkind ausgegeben, das er vor dem Zugriff der „Schwarzen" gerettet hat. Can fügt sich dem Anpassungsdruck der gesellschaftlichen Konventionen in Andorra und zwingt damit seinen Sohn eine Außenseiterrolle auf. Andri wird zwar von den Mitbürgern in Ruhe gelassen, doch langsam und schleichend werden die Ressentiments stärker. Verzweifelt klammert sich Andri an seine Liebe zu Barblin, ohne zu wissen, dass sie seine Halbschwester ist, deren Hand ihm sein Vater deshalb verweigert. Andri macht „sein Judentum" dafür verantwortlich. Aus enttäuschter Liebe will er nun tatsächlich „anders sein" und bereitet sich selbst sein Verhängnis.

Wenn Menschen, die eine gleiche Erziehung genossen haben wie ich, die gleichen Worte sprechen wie ich und gleiche Bücher, gleiche Musik, gleiche Gemälde lieben wie ich - wenn diese Menschen keineswegs gesichert sind vor der Möglichkeit, Unmenschen zu werden und Dinge zu tun, die wir den Menschen unserer Zeit, ausgenommen die pathologischen Einzelfälle, vorher nicht hätten zutrauen können, woher nehme ich die Zuversicht, dass ich davor gesichert sei?

Max Frisch, 1946

17.11.2009
8.00 Uhr - 9.15 Uhr
Aula
1,50€ (Dank Unterstützung des Fördervereins)