Theater an der ORS – 2009

Der Monarch wird vom Volk quer über den Marktplatz gezerrt, er weiß gar nicht, wie ihm geschieht. „Macht der Demokratie“, so der Schlachtruf der Massen. Der Monarch sieht das Unfassbare: eine Guillotine, die Mitten auf dem Platz zur Freude des Volkes auf ihn wartet. Der Henker zwingt des Monarchen Haupt zwischen die Halterung, das Fallbeil schnellt los und – der Vorhang fällt.

Viel Raum für Fantasie und spannende Unteraltung ließ das Theaterstück der Osterrath-Realschule den Zuschauern auch in diesem Jahr. Unter der Leitung von Lehrerin Katrin Kyselli-Ernst gab das Schüler-Ensemble jetzt „Die sanfte Guillotine“ vor mehreren hundert Besuchern in der Aula der Schule am Burgweg zum Besten.

In einem rasanten Märchen-Medley präsentierten die Schüler der ORS Theater AG vielseitigste Rollen: Neben Schneewittchen, den sieben Zwergen und dem Froschkönig hatten auch Hänsel und Gretel ungewöhnliche Abenteuer zu bestehen. Statt als Einzelkämpfer traten sie diesmal als Leidensgenossen auf und schlossen sich im Kampf gegen den geldgierigen Monarchen zusammen. Auch die auftretenden Figuren könnten sich seltsamer kaum verhalten: Hänsel ist zigarettensüchtig, hat aber aufgrund der erneuten Steuererhöhung des Staatsoberhauptes kein Geld. Zu allem Pech kommt auch noch ein weiteres Unglück dazu: Seine unachtsam weggeworfene letzte Kippe entflammt einen zerstörerischen Hausbrand. Also heißt es für Hänsel und Gretel: Arbeiten gehen und Geld verdienen. Aber wie geht man als Märchenfigur nur arbeiten?Eine zündende Idee hat Schneewittchen, das sich ganz zur Freude der sieben Zwerge auf den Strich begibt. Andere versuchen es mit Betteln  und Hänsel prellt die Zeche im Froschrestaurant.

Nach langer, wenig erfolgreicher Arbeitssuche tun sich dann schließlich alle Figuren zusammen, auch die Prinzessin, die eigentlich den Monarchen heiraten wollte, aber der sich dann doch für eine arme Putzfrau entschieden hat. Dabei treibt sie ein gemeinsames Ziel an: Der Hass auf den geldgierigen Monarchen, unter dem das Volk nur zu leiden hat. So entschließen sich Rotkäppchen, der Froschkönig und Co, den Monarchen kurzerhand zu köpfen und es kommt zum Showdown auf dem Marktplatz.

Als die Spannung ihren Höhepunkt erreicht, wird das Drama unverhofft aufgeklärt: Ein glücklicher Familienvater wacht auf, er muss wohl vor dem Fernseher eingeschlafen sein, ganz erschrocken guckt er um sich und ist erleichtert, denn ... alles war doch nur ein Traum!

Doch schon muss er wieder in die Märchenwelt, aber diesmal nur als Vorleser, als Vater für seine Kinder, die jeden Abend eine Geschichte von ihm vorgelesen bekommen wollen.

Nachdem der Vorhang gefallen war, erhielten die Schüler und Katrin Kyselli-Ernst enthusiastischen Applaus des Publikums – der engagierte Einsatz aller Beteiligten bereitete der Lehrerin einen gelungenen Abschied in die bevorstehende Babypause.