Handtücher verlieren durch Weichspüler keine Saugkraft

Von unserem Redaktionsmitglied NIMO GRUJIC Rheda-Wiedenbrück (gl).Können Kartoffeln krebskrank machen? Ist Fleisch vom Metzger besser als das vom Discounter? Und kann zu viel Weichspüler die Saugkraft von Handtüchern verringern? Mit diesen und anderen Fragen haben sich acht Jungen und Mädchen der Osterrath-Realschule Wiedenbrück beschäftigt. Morgen präsentieren sie ihre Ergebnisse beim 45. Regionalwettbewerb von „Jugend forscht“ in Paderborn.

 

„Auf den Weichspüler-Versuch hat mich meine Mutter gebracht“, sagt die 16-jährige Alexa Fechtel. „Sie war bislang der Meinung, dass man Handtücher am besten ohne Weichspüler wäscht, weil sonst ihre Wasseraufnahmefähigkeit nachlässt.“ Nichts als eine Mär, wie die Versuche der Tochter im Rahmen von „Jugend forscht“ ergaben: „Ob man Weichspüler benutzt oder nicht, hat nahezu keinen Einfluss auf die Saugkraft von Textilien.“ Dass Kartoffeln Nitrat enthalten, das im Körper zu Nitrosamin umgewandelt wird, ist bekannt. Doch obwohl dieser Stoff verdächtigt wird, das Krebswachstum zu fördern, besteht keine akute Gefahr. „Man darf ruhig weiterhin Kartoffeln essen“, sagt der 15-jährige Jan Goldberg. „Denn der Nitratgehalt in Kartoffeln ist viel zu gering, um gefährlich werden zu können.“ Wer voll und ganz auf Nummer sicher gehen will, sollte zu Biokartoffeln greifen oder Erdäpfel essen, die schon leicht auskeimen, rät der Realschüler. „Bei ihnen ist der Nitratgehalt besonders niedrig.“ Rind- und Schweinefleisch von verschiedenen Herstellern hat Christin Hesker (15) auf Haltbarkeit, PH-Wert und Trockenmasse hin untersucht. Ihr Fazit: „Das beste Fleisch gibt es immer noch vom Metzger nebenan.“ Mit der Qualität könne die Discount-Ware oft nicht mithalten. Mit der Wirkung von Kariesschutz- Cremes beschäftigten sich Fritz Falkenreck und Matthias Gunter. Dazu tauchten sie Eier, deren Schalen zuvor mit den Gels eingerieben worden waren, in aggressive Essigsäure. „Am besten gewirkt hat die ,Elmex‘-Creme für sieben Euro“, sagt Matthias Gunter. „Bei dem doppelt so teuren Konkurrenzprodukt wurde die Eierschale bereits nach vergleichsweise kurzer Zeit vom Essig angegriffen.“ Frederick Neß (15) hat die Auswirkungen der Gravitationskraft auf junge Bohnen erforscht, Sebastian Heinzelmann ein solarbetriebenes Trike samt Ladestation und Sonnenstrom-Tankstelle entwickelt. „Mit dem motorisierten Dreirad kann man große Entfernungen zurücklegen, ohne klimaschädliches Kohlenstoffdioxid zu produzieren.“

 

„Fleisch vom Metzger ist oft besser als das vom Discounter“, weiß Christin Hesker.

 

 

 

Sebastian Heinzelmann mit seinem Koffer-Ladegerät für solarbetriebene Trikes.

 

 

„Mut zum Weichspüler“ macht Alexa Fechtel allen, die keine kratzenden Handtücher mögen.

 

 

…Detlef Flaschel, Schulleiter der Osterrath-Realschule in Wiedenbrück.

„Die Glocke“: Warum unterstützen Sie die Teilnahme ihrer Schülerinnen und Schüler am Wettbewerb „Jugend forscht“ jedes Jahr aufs Neue?

Flaschel: Wir nehmen seit 17 Jahren immer wieder gerne an dem Projekt teil, um die Kinder nachhaltig für naturwissenschaftliche Themen zu interessieren. Außerdem wollen wir ihnen die Gelegenheit geben, eigene Ideen selbstständig in Form von Experimenten umzusetzen. Mir als Chemielehrer macht es natürlich auch Spaß, die Projekte der kleinen Forscher zu verfolgen. Dass durch die Ergebnisse mit dem einen oder anderen wissenschaftlichen Irrglauben aufgeräumt wird, ist ein positiver Nebeneffekt.

„Die Glocke“: Was war der bisher größte Erfolg der Osterrath- Realschule im Projekt „Jugend forscht“?

 

Flaschel: 2009 wurden wir mit einer Arbeit in Biologie Landessieger, das hat mich sehr gefreut. Auszeichnungen auf regionaler Ebene bekommen unsere Schüler regelmäßig beim Wettbewerb „Jugend forscht“ in Paderborn.

 

„Die Glocke“: Wie haben sich die Schüler auf das Projekt vorbereitet, und wie viel Zeit hatten sie für die Umsetzung ihrer Arbeiten?

Flaschel: Seit die Schüler von dem Projekt wissen und sich zur Teilnahme entschlossen haben, arbeiteten sie fleißig an ihren Ideen. Alles in allem haben sie etwa ein Jahr in den Wettbewerb investiert. Ziel war es, dass die Kinder möglichst selbstständig Forschungsthemen entwickeln und sie umsetzen. Um aber zu sehen, ob die Umsetzung der Arbeiten überhaupt möglich ist, haben wir uns einmal wöchentlich abends getroffen. Gegebenenfalls wurden den Kindern und Jugendlichen dann noch Materialien wie zum Beispiel PH-Wert-Messgeräte von der Schule zur Verfügung gestellt.

Rianna Fobe

Quelle: Die Glocke: 05.02.2010