Rheda-Wiedenbrück. Im Geschicklichkeitsfahren beim Bobbycar-Solarcup funktionierten die Bremsen nicht optimal. Der Fahrer landete in einem Strohballen. Das war vergangenes Jahr und soll sich am Samstag, 30. August, beim siebten Rennen nicht wiederholen. Darum hat das Team der "ORS-Sun-Racer" vier Tage lang mit Mitarbeitern der Westag & Getalit AG seinen Minirennwagen verbessert.
Das Unternehmen und die Osterrath-Realschule (ORS) sind partnerschaftlich verbunden. "Durch die Arbeit am Bobbycar gibt es erste Kontakte, die Schüler bekommen Einblicke in technische Berufe und wir lernen sie kennen - das ist eine Win-win-Situation", so Mario Boeckh, Westag-Ausbilder der Industriemechaniker. Rund 80 Prozent der jungen Leute, die einen Beruf in dem Unternehmen lernen, haben dort zuvor ein Praktikum absolviert.
Gefordert waren in Sachen Optimierung des Bobbycars besonders die Auszubildenden Stefan Kaupmann und Felix Kleine-Eickhoff. Sie arbeiteten mit sechs Zehntklässlern der Wiedenbrücker Realschule in den Sommerferien. "Wir haben eine Scheibenbremse wie beim Fahrrad neu eingebaut", erklärte gestern Simon Schröder. Auch wurde die Achse an dem Bobbycar, das schon 2013 an den Start ging, und die zu viel Spiel hatte, verstärkt. Den Schülern hat die praktische Arbeit gut gefallen.
"Es war spannend, alles aufzumachen und reinzugucken und zu sehen, was dahinter steckt und wie es funktioniert", meinte Maren Laukötter. Sie möchte gerne im nächsten Jahr den Beruf der Industriemechanikerin lernen. Die Arbeit am Bobbycar hat sie in diesem Wunsch bestärkt.
"Es ist unser Ziel, außerhalb der Schule ein niederschwelliges Technikangebot zu machen", sagte Heike Zarling, Geschäftsstellenleiterin der Agentur für Arbeit Gütersloh. Darum unterstützt die Agentur das Projekt, um die so genannten Mint-Fächer - Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - "anders zu bewerben". Sie lobte das Engagement der Zehntklässler, in den Ferien "freiwillig in eine Firma zu gehen, statt ins Freibad".
Techniklehrer Ralf Diekmann betonte, dass der überwiegende Teil der Entlassschüler der ORS weiter eine Schule besuche. "Wer eine Ausbildung beginnt kommt fast ausschließlich aus den Technikkursen". Damit meinte er darauf, dass diese Jugendlichen mehr Praxisnähe hätten, auch durch das Bobbycar-Projekt.
Kaupmann, ehemaliger Realschüler, hat in der Arbeitsgemeinschaft "ORS-Sun-Racer" früher mitgewirkt. Damals sei die Lenkung aus Aluminium gefräst worden, "das war zu steif und führte zu Spannungen im Rahmen". Nun ist sie aus Kunststoff und damit elastischer, erklärte er. Auch verlängert wurde das Bobbycar, damit es ohne den Anhänger mit dem Solarmodul fahren kann. "Und die Achse wurde verbreitert, damit es in den Kurven nicht mehr ausbricht", spricht er von viel Arbeit, die die Westag-Azubis und die ORSler investiert haben. Nun kommt es beim Bobbycar-Solarcup auf den Fahrer an. Steuern wird den Minirennwagen mit der Dreigang-Schaltung der neunjährige Ole Wietz.

 

Quelle:Neue Westfälische Gütersloh, Freitag 22. August 2014, von marion pokorra-brockschmidt