Herr Bartonitschek klärt den Sozialwissenschaftskurs 10 der Osterrath-Realschule auf

Was für viele ein Tabuthema ist, wurde an der Osterrath Realschule am vergangenen Mittwoch ganz offen diskutiert: Rainer Bartonitschek, Schuldnerberater beim Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer (SKFM) informierte den 10er Sowi-Kurs über seine tägliche Arbeit. Denn immer mehr junge Menschen heutzutage leben über ihre finanziellen Möglichkeiten, gönnen sich Urlaub „auf Pump“, Telefonieren ohne Maß oder leasen ein viel zu teures Auto. Durch diesen Expertenbesuch will Bartonitschek den Jugendlichen helfen, ein Gefühl zu entwickeln, was das Leben kostet, wie man die Schuldenfalle vermeidet und sich Hilfe bekommt.
Innerhalb der Unterrichtsreihe „Schuldenprävention“ hatten sich die Schüler des 10er Sowi-Kurses unter der Leitung von Julia Weyrowitz bereits eingehend mit dem Thema „Schulden“ befasst. Unter anderem erarbeiteten sie mit Hilfe von Internetrecherchen und Gruppenarbeiten die Bereiche Lebenshaltungskosten und Konsumausgaben. In Theorieblöcken fanden sie Informationen darüber heraus, weshalb Menschen in Schulden geraten, welche Funktion die Schufa hat und wie Banken junge Kunden an sich binden. Desweiteren erarbeiteten sie  Vor- und Nachteile des bargeldlosen Einkaufens, verschiedene Kreditarten, wichtige Versicherungen sowie die Gefahren von Bürgschaften. 
Als Auftakt dieses Präventionsangebotes des SKFM, das die Schuldnerberatung und die ORS hofft, zu wiederholen und auszudehnen, gab Bartonitschek den Osterrath-Realschülern Informationen aus erster Hand und berichtete über seinen Berufsalltag. Gleich zu Beginn des Gesprächs räumte der Schuldnerberater mit einem Vorurteil auf: „Niemand verschuldet sich absichtlich, ganz im Gegenteil handelt es sich um einen schleichenden Prozess“. Vor allem betroffen seien junge Menschen ab dem 25. Lebensjahr, die den Überblick über ihre finanzielle Situation verloren haben. „Leider verhindert es oft die Scham dieser Menschen, sich rechtzeitig dem Problem zu stellen“, weiß er aus Erfahrung.
In der Beratungsstelle hat der Schuldnerberater es deshalb weitgehend mit Menschen zu tun, die akute Probleme haben: „Zu mir kommen die Leute leider erst sehr spät, erst wenn der Lohn gepfändet wurde oder der Wohnungsverlust droht“, so Bartonitschek. Zu seiner täglichen Arbeit gehört es unter anderem, den Rat suchenden Kunden Lösungsperspektiven aufzuzeigen, um ihre Existenzsorgen so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen. Langfristig bedeutet dies, mit dem Schuldner zusammen eine Aufstellung über die monatlichen Einnahmen und Ausgaben zu erstellen und „Rückzahlungsraten auszuloten, die ein Überleben gewährleisten“.
Anschließend warnte Bartonitschek vor einem Teufelskreis, der vielen ahnungslosen Schuldnern droht: Man dürfe es erst gar nicht dazu kommen lassen, „ein Loch mit dem nächsten zu stopfen“ und immer mehr Kredite aufzunehmen. Als Tipp gab er den Schülern mit auf den Weg, immer den Überblick über ihr Geld zu behalten, zum Beispiel die monatlichen Ausgaben schriftlich in einem Haushaltsbuch festzuhalten. Vor allem sollte man im Internet vorsichtig sein und die allgemeinen Geschäftsbedingungen sorgfältig lesen, bevor man etwas bestellt – sonst kann man böse Überraschungen erleben.
Diese erfuhren die Schülerinnen und Schüler dann selbst noch hautnah. Hatte der Schuldnerberater doch während des Gespräches jedem ein Formular mit dem Hinweis, das sei für seinen Chef, zum Ausfüllen ausgehändigt. Alle Teilnehmer des Kurses machten pflichtgetreu ihre Angaben und unterschrieben damit eine Rechnung für die dargebotene Veranstaltung in Höhe von 20 €. Nachdem Bartonitschek sie über das Kleingedruckte und seine Ablenkungstricks aufgeklärt hatte, war die Entrüstung natürlich groß. Sachlich klärte der Experte auf, dass die minderjährigen Schüler im Rahmen des Taschengeldparagraphens geschäftsfähig seien und der unterschriebene Vertrag somit rechtens sei. Erleichtert verfolgte der Kurs, dass die Verträge anschließend vernichtet wurden und sie ihr Taschengeld behalten konnten.
Im Abschlussgespräch bemerkten die Schülerinnen und Schüler, dass es besonders interessant gewesen sei, den Fachmann aus der unmittelbaren Nähe sprechen zu können, da dies die Problematik mehr in ihren persönlichen Alltag rückte, als dass das Fernsehen es könnte.

Foto: Aufklärungsarbeit an der Osterrath Realschule: Schuldnerberater Rainer Bartonitschek informierte den 10er Sowi-Kurs, der sich unter Leitung von Lehrerin Julia Weyrowitz mit dem Thema „Schuldenprävention“ auseinandersetze, über seine tägliche Arbeit.

Text und Foto: Julia Weyrowitz
11. Juni 2014